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Montag, 13. Mai 2013
Kleinkunstcomedians
Und dann findet man sich wieder als enttäuschter Lehrer, der nun die SPD wählt, weil das der Kompromiss mit dem Eigenheim war. Zwar sitzt man manchmal in diesen Hinterhoftheaterstuben und schlürft seinen trockenen Weißwein und gönnt sich ein bisschen Kleinkunst von einem Volker-Pispers-Verschnitt, aber das lässt einen nur deutlicher sehen, was geschehen ist. Wehmütig denkt man zurück an diese Zeiten, als man mit der RAF sympathisiert hat und seinen ersten Sohn unbedingt Mao nennen wollte und an das Geräusch der zerplatzenden Eier, die man betrunken gegen das Rathaus warf. Aber dann kam eben der Reifeprozess und die Akne ging weg und jetzt sitzt man da und hört diesem Menschen zu, der für Gelächter bezahlt wird und denkt sich "Ist doch wahr, was der da sagt". Die alten Freunde von damals sitzen auch am Tisch und stimmen lachend zu, ihnen treibt der Alkohol Schweißperlen in die Lachfältchen. Und vielleicht gerät man ins Grübeln und macht das nächste Kreuzchen weiter links, aber auch nur mit ungutem Gefühl, denn ist man nicht zu alt für diesen Unsinn? So landet man dann bei den Grünen. Damit kann man sehr gut leben. Und dann hat man diese hübschen weißen Zäune vor dem Garten stehen und bereitet seinen Kindern ein gesundes Biofrühstück für die Schule vor.
Ein Trauerspiel.

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Die biologische Uhr tickt weiter
Ich stehe an der Kasse des mir vertraut gewordenen Supermarktes und warte auf die ernüchternde Zahl, die der mit Akne verzierte Lehrling mir nennen wird. Beruhigt, dass es doch weniger zu zahlen gilt, als grob ausgerechnet, reiche ich ihm fast überschwänglich das Geld und strecke meine Hand erwartungsfreudig in seine Richtung, um das Klimpergeld retour zu erhalten. Doch bevor die kalten Münzen in meine Hand fallen, berührt ein unerwartetes Ding meine Haut. Ich blicke auf. In das Aknegesicht, das beim Lächeln eine Zahnspange offenbart:
"Alles Gute zum Muttertag", nuschelt der Junge und überreicht mir eine gelbe Rose.
Ich blinzele. Er strahlt noch immer.
Um es für alle Beteiligten leichter zu machen, schlucke ich den "Wissen Sie eigentlich unter was für Bedingungen diese billigen Schnittblumen gezüchtet werden?!"-Monolog hinunter und versuche ein hölzernes Lächeln. Ich lache künstlich und schrill auf. Und verlasse den Laden sofort.

Schicksal, du bist ein Verräter und steckst mit dieser biologischen Uhr unter einer Decke, ich habe es immer gewusst!

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