Montag, 20. Mai 2013
spiegelschriftlich, 20:48h
In meinen Gedanken bist du so groß wie ein Riese, mit Armen so lang wie die Äste der Kastanie vor dem Fenster. Oft saß ich an die Scheibe gelehnt und schaute hinaus in ihre Blätter und deine Stimme wehte mir in den Nacken, manchmal bekam ich Gänsehaut und warf den Kopf zurück, dann hast du gelacht und deine Hände auf meine Schultern gelegt. Wenn ich an deine Hände denke, haben sie die Ausmaße eines Bettes, in welches ich mich legen könnte.
Deine Stimme, die in meiner Brust vibrierte, wenn du wütend wurdest. Ich erinnere mich an deinen großen, schweren Körper und an dein Haar. Wenn ich dich mir vorstelle, bist du wie aus Stein und dein Haar aus Seetang, so fest, dass man Schiffe damit bauen könnte.
Ich erinnere mich auch an dein Atmen, wenn du kurz vorm Einschlafen warst und an dein pfeifendes Lachen. In meinem Kopf bist du mittlerweile so gewachsen und riesig geworden, dass du mir vorkommst wie eine dieser Statuen, die Diktatoren von sich aufstellen lassen.
Jetzt, da ich dich wiedersehen kann, merke ich, wie sehr ich dich aufgebläht habe. Du bist wie damals, aber meine Sehnsucht hat dich bis zur Unkenntlichkeit vergrößert, dass ich mich erst wieder an deine Menschlichkeit gewöhnen lernen muss.
Deine Stimme, die in meiner Brust vibrierte, wenn du wütend wurdest. Ich erinnere mich an deinen großen, schweren Körper und an dein Haar. Wenn ich dich mir vorstelle, bist du wie aus Stein und dein Haar aus Seetang, so fest, dass man Schiffe damit bauen könnte.
Ich erinnere mich auch an dein Atmen, wenn du kurz vorm Einschlafen warst und an dein pfeifendes Lachen. In meinem Kopf bist du mittlerweile so gewachsen und riesig geworden, dass du mir vorkommst wie eine dieser Statuen, die Diktatoren von sich aufstellen lassen.
Jetzt, da ich dich wiedersehen kann, merke ich, wie sehr ich dich aufgebläht habe. Du bist wie damals, aber meine Sehnsucht hat dich bis zur Unkenntlichkeit vergrößert, dass ich mich erst wieder an deine Menschlichkeit gewöhnen lernen muss.
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Montag, 13. Mai 2013
Kleinkunstcomedians
spiegelschriftlich, 21:33h
Und dann findet man sich wieder als enttäuschter Lehrer, der nun die SPD wählt, weil das der Kompromiss mit dem Eigenheim war. Zwar sitzt man manchmal in diesen Hinterhoftheaterstuben und schlürft seinen trockenen Weißwein und gönnt sich ein bisschen Kleinkunst von einem Volker-Pispers-Verschnitt, aber das lässt einen nur deutlicher sehen, was geschehen ist. Wehmütig denkt man zurück an diese Zeiten, als man mit der RAF sympathisiert hat und seinen ersten Sohn unbedingt Mao nennen wollte und an das Geräusch der zerplatzenden Eier, die man betrunken gegen das Rathaus warf. Aber dann kam eben der Reifeprozess und die Akne ging weg und jetzt sitzt man da und hört diesem Menschen zu, der für Gelächter bezahlt wird und denkt sich "Ist doch wahr, was der da sagt". Die alten Freunde von damals sitzen auch am Tisch und stimmen lachend zu, ihnen treibt der Alkohol Schweißperlen in die Lachfältchen. Und vielleicht gerät man ins Grübeln und macht das nächste Kreuzchen weiter links, aber auch nur mit ungutem Gefühl, denn ist man nicht zu alt für diesen Unsinn? So landet man dann bei den Grünen. Damit kann man sehr gut leben. Und dann hat man diese hübschen weißen Zäune vor dem Garten stehen und bereitet seinen Kindern ein gesundes Biofrühstück für die Schule vor.
Ein Trauerspiel.
Ein Trauerspiel.
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Die biologische Uhr tickt weiter
spiegelschriftlich, 21:33h
Ich stehe an der Kasse des mir vertraut gewordenen Supermarktes und warte auf die ernüchternde Zahl, die der mit Akne verzierte Lehrling mir nennen wird. Beruhigt, dass es doch weniger zu zahlen gilt, als grob ausgerechnet, reiche ich ihm fast überschwänglich das Geld und strecke meine Hand erwartungsfreudig in seine Richtung, um das Klimpergeld retour zu erhalten. Doch bevor die kalten Münzen in meine Hand fallen, berührt ein unerwartetes Ding meine Haut. Ich blicke auf. In das Aknegesicht, das beim Lächeln eine Zahnspange offenbart:
"Alles Gute zum Muttertag", nuschelt der Junge und überreicht mir eine gelbe Rose.
Ich blinzele. Er strahlt noch immer.
Um es für alle Beteiligten leichter zu machen, schlucke ich den "Wissen Sie eigentlich unter was für Bedingungen diese billigen Schnittblumen gezüchtet werden?!"-Monolog hinunter und versuche ein hölzernes Lächeln. Ich lache künstlich und schrill auf. Und verlasse den Laden sofort.
Schicksal, du bist ein Verräter und steckst mit dieser biologischen Uhr unter einer Decke, ich habe es immer gewusst!
"Alles Gute zum Muttertag", nuschelt der Junge und überreicht mir eine gelbe Rose.
Ich blinzele. Er strahlt noch immer.
Um es für alle Beteiligten leichter zu machen, schlucke ich den "Wissen Sie eigentlich unter was für Bedingungen diese billigen Schnittblumen gezüchtet werden?!"-Monolog hinunter und versuche ein hölzernes Lächeln. Ich lache künstlich und schrill auf. Und verlasse den Laden sofort.
Schicksal, du bist ein Verräter und steckst mit dieser biologischen Uhr unter einer Decke, ich habe es immer gewusst!
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Donnerstag, 2. Mai 2013
Schwarz mit Zucker
spiegelschriftlich, 22:39h
Und dann sitzen wir da im Außenbereich des Kaffeehauses in der stillen Gasse, die zum Kanal führt, und schweigen. Wir spiegeln uns in der schwarzen Oberfläche des Kaffees in weißen Tassen und ich wünsche mir ein bisschen Milchschaum, aber der ist nur was für kleine Mädchen und das kannst du nicht brauchen und ich brauche dich. Wir haben alle Kaffeesorten, die uns einfallen durchdiskutiert, es bleibt immer dabei, dass du äthiopischen Kaffee möchtest und ich vietnamesischen. Wir trinken keinen Wein, daher fehlt uns die Gesprächsgrundlage dafür und du hast nie geraucht, also können wir die Menschen um uns herum nicht aufgrund ihrer Zigarettensorte analysieren. Wenn ich das mache, schaust du mich nur befremdet an und schüttelst den Kopf, denn du hältst Rauchen für Zeitverschwendung und meine Freude am blauen Dunst, ist dir ein Rätsel.
Vielleicht könnten wir über Foucault reden, aber wir haben beide keine Ahnung, was Foucault eigentlich beinhaltet, aber unsere klugen Freunde reden häufig von ihm. Diese Freunde bekommen auch diesen sehnenden Blick und sprechen mit schmelzender Stimme von Utopien. Utopie bedeutet Nicht-Ort hat man mir beigebracht. Da sind du und ich auch. Wir sitzen an diesem Tisch und starren in die Tassen und sehen unsere fragenden Blicke, die uns aus dem Kaffee entgegenstrahlen, aber in deine Augen habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Wir sind hier und sind doch nicht da.
Schade, oder?
Vielleicht könnten wir über Foucault reden, aber wir haben beide keine Ahnung, was Foucault eigentlich beinhaltet, aber unsere klugen Freunde reden häufig von ihm. Diese Freunde bekommen auch diesen sehnenden Blick und sprechen mit schmelzender Stimme von Utopien. Utopie bedeutet Nicht-Ort hat man mir beigebracht. Da sind du und ich auch. Wir sitzen an diesem Tisch und starren in die Tassen und sehen unsere fragenden Blicke, die uns aus dem Kaffee entgegenstrahlen, aber in deine Augen habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Wir sind hier und sind doch nicht da.
Schade, oder?
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